Die Geschichte von Müswangen in Kurzform....

Von 893 ist das älteste Schriftstück das bislang gefunden worden ist. Dementsprechend ist diese Geschichtsabteilung hier etwas grösser. Zumal es immer noch nimmermüde Forscher gibt die Archive, Dokumente, Zeitzeigen etc. befragen um an weitere Informationen zu kommen. So finden Sie hier eine stetig wachsende Sammlung an Informationenen die einmalig sind. Eine Geschichts - Kurzform ist unterhalb dieses Textes zu finden. Im Untermenu dieser Abteilung sind mehr Infomationen.

Wir wünschen viel Spass beim stöbern.

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Luftbild Mueswangen

 

 

Die Geschichte von Müswangen – kompakt erzählt:

I. Die Urzeit und das Römische Erbe

Die Geschichte Müswangens reicht weit zurück, lange bevor es ein Dorf war.

  • 9250–6700 v. Chr.: Schon in der Mittelsteinzeit war das Gebiet besiedelt. Am "Flächsmatt" befand sich ein prähistorischer Lager- und Siedlungsplatz von Nomaden, der heute ein wichtiges archäologisches Fundgebiet ist1.
  • 100–300 n. Chr.: Die Römer hinterliessen ihre Spuren. Eine römische Siedlung, vermutlich ein Gutshof, wird unter der heutigen Kirche und im Gebiet Hofmatt vermutet, mit Funden aus den Jahren 1893 und 2007.

II. Klöster, Ritter und Herrschaftswechsel (893 – 1798)

Das Mittelalter und die frühe Neuzeit sind geprägt von kirchlichem Besitz und wechselnden weltlichen Herren.

  • 893 – Die Geburtsstunde: Müswangen wurde als „Milizwaga/Milezwanga“ erstmals urkundlich erwähnt, und zwar im Güterverzeichnis der Fraumünster-Abtei in Zürich, zusammen mit Hämikon. Dieses Datum diente 1993 als Grundlage für die 1100-Jahr-Feier.
  • Kloster und Adel: Müswangen gehörte zum Einflussbereich des 1027 gegründeten Benediktinerklosters Muri (durch die Habsburger). Später herrschten die Kyburger (1173-1263) und die Habsburger (1264-1415).
  • 1415 – Die Eidgenossen kommen: Nach der Eroberung des Freiamts durch die eidgenössischen Stände ging die Herrschaft von "Miswangen"  an die Eidgenossen über. Trotzdem galt die Verwaltung bis 1798 als schwach, da die Obrigkeit (Vögte) alle zwei Jahre wechselte.
  • Glaubenskämpfe: Nach einer kurzen Phase des reformierten Glaubens, initiiert durch den Komtur von Hitzkirch (1528-1532), erfolgte die Rekatholisierung durch die 5 katholischen Orte (1531/32). Der heute noch praktizierte Auffahrt-Umritt wurde 1532 als eucharistische Prozession ins Leben gerufen, um die Rekatholisierung zu festigen.
  • Dunkle Zeiten: Zwischen 1574 und 1668 wurden in Bremgarten im Rahmen der Hexenverfolgung der Freien Ämter zwölf Frauen und ein Mann gefoltert und verbrannt.
  • 1786 – Die "Schlimmsten vom Schlimmen": Ein skurriles Detail aus der Geschichte ist die damalige Reputation der Müswanger. Aufgrund ihrer weiten Entfernung zur Pfarrkirche Hitzkirch baten sie erfolgreich um eine eigene Frühmesserei. Der Anstoss zu mehr Frömmigkeit und Bildung kam mutmasslich von Jesuiten und dem Bistum Konstanz, welche die Müswanger als "arm, frech, lügenhaft, störrisch, handelssüchtig, Rechtsdröller die weder Gott noch Menschen fürchten… kurz…das Schlimmste vom Schlimmen" erachteten.

III. Vom Kanton Aargau zu Luzern und in die Moderne (1798 – 2000)

Mit der Französischen Revolution und der Helvetik beginnt ein neues Kapitel.

  • 1798 – Ende der alten Ordnung: Die Helvetische Revolution beendete den Ständestaat Luzern und führte zur Aufhebung des Klosters Muri, wodurch Müswangen seine Untertanenschaft verlor.
  • 1803 – Luzerner Gemeinde: Das Amt Hitzkirch, zu dem Müswangen gehörte, wurde dem Kanton Luzern zugeschlagen.
  • Wandel der Arbeit: Im 19. Jahrhundert verlagerte sich die Heimarbeit, wie die Strohflechterei, zunehmend in Fabriken nach Wohlen, während die Stumpenindustrie im Wynen- und Seetal (z.B. Mosen) ein wichtiger Arbeitgeber wurde. Viele Müswanger mussten den Arbeitsweg natürlich zu Fuss zurücklegen.
  • Schwierige Entwicklung: Im 19. Jahrhundert setzte sich die Alphabetisierung in der ländlichen Bevölkerung nur langsam durch, behindert durch beengende Existenzbedingungen, Kinderarbeit und den Unwillen vieler Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken.
  • Der Kirchenbauer: Zwischen 1900 und 1919 wirkte Kurat-Kaplan Josef Buck, ein Kirchenbauer "auf eigene Initiative und ohne Bauabrechnungen", der als eifriger Spendensammler bekannt war.
  • Verwaltungs-Wirren: Die Einführung des eidgenössischen Grundbuches war in Müswangen ein langwieriger Prozess, der sich aufgrund von zu starker Parzellierung und dem Wunsch nach vorgängiger Güterzusammenlegung bis 1956 hinzog.
  • 1992 – Ende der Bürgergemeinde: Die Bürgergemeinde wurde 189 Jahre nach ihrer Gründung (bzw. 142 Jahre nach der Regelung des Gemeindewesens) in einer turbulenten Versammlung aufgelöst.
  • Die Fusions-Anfrage: Im Jahr 1999 fragte Müswangen Hämikon wegen einer Verwaltungsfusion an, was jedoch abgelehnt wurde. Die Verwaltungs von Müswangen wurde im Jahr 2002 von der Gemeinde  Hitzkirch übernommen.
  • Keine eigene Gemeinde mehr: Am 1. Januar 2009 wurde mit den Gemeinden Hitzkirch, Sulz, Hämikon, Retschwil, Gelfingen und Mosen eine Fusion eingegangen. Die Gemeinde Müswangen ist nunmehr ein Ortsteil von Hitzkirch - Plus.

IV. Erwähnenswert:

Müswangen und Hämikon – lange verbunden, dann getrennt

Über Jahrhunderte waren Müswangen und Hämikon eng miteinander verbunden. Zwischen 1595 und 1739 bildeten die beiden Orte sogar eine einzige Gemeinde mit gemeinsamem Dorfrecht.
Erst am 8. Juni 1739 kam es zur offiziellen Trennung in zwei selbständige Gemeinden – ein Moment, der beide Dörfer nachhaltig prägte.

 

Die Zeit um 1900 – ein Dorf zwischen Tradition und Wandel

Um 1900 war Müswangen ein kleines landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Ereignisse wie Scheunenbrände im Jahr 1900 zeigen, wie verletzlich man damals gegenüber Unglücken war – zwei Scheunen brannten im Juni desselben Jahres vollständig nieder, beide Brände blieben ungeklärt. Auch die kommunalen Strukturen befanden sich im Aufbau: Die Wasserversorgung war noch nicht flächendeckend, und Schul- und Pfrundhaus hatten zeitweise sogar keinen Wasseranschluss, weil der Regierungsrat entsprechende Anträge ablehnte.

 

Zwischenkriegszeit und Nationalsozialismus

In den 1930er-Jahren bewegte sich das Dorf zwischen Tradition und Modernisierung. Ein Postautokurs hätte Müswangen besser erschlossen – doch der Gemeinderat lehnte ihn aufgrund möglicher Kostenfolgen ab. Rückblickend verlagerte man damit eine wichtige Chance für die Dorfentwicklung. Die politischen Spannungen in Europa blieben nicht folgenlos: Die Chronik erwähnt beispielsweise den Einfluss des Schweizer Nationalsozialisten Franz Riedweg, der aus dem Kanton Luzern stammte und später hoher SS-Offizier wurde.

 

Der Zweite Weltkrieg – Aktivität, Angst und Improvisation

Während des Zweiten Weltkriegs waren in Müswangen sämtliche Erwachsenen und sogar Jugendliche in die Evakuationsvorbereitungen eingebunden. Es wurden Gruppen für Sanität, Küche, Transport, Unterkunft und Viehversorgung gebildet; selbst Brückenwagen mit Matratzen standen bereit, falls alte oder kranke Menschen transportiert werden mussten. Zudem existierte eine Ortswehr, deren Mitglieder mit Gewehren ausgestattet wurden und regelmässige Übungen abhielten. Diese Ortswehr bestand von 1940 bis 1967. Auch internierte Soldaten aus verschiedenen Nationen waren zeitweise in Müswangen stationiert. Sie wohnten in Baracken, verrichteten Arbeit in Landwirtschaft, Drainagen und Torfabbau und wurden über lokale Quellen verpflegt. Ein Barackenbrand im April 1945 wurde dokumentiert.
Im Februar 1945 muss ein amerikanischer Bomber, der mit Munition und Treibstoff voll beladen war, in Müswangen notlanden. Das Flugzeug hatte den Befehl deutsche Städte zu bombardieren. Er zerschelte im freien Feld nördlich und knapp neben dem Dorf. Der Pilot liess sein Leben.

 

Nachkriegszeit – Modernisierung und Ausbau

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann Müswangen, sein Erscheinungsbild nachhaltig zu verändern:

  • Strassenbau und Elektrifizierung wurden vorangetrieben.
  • Die landwirtschaftliche Intensivierung (ab ca. 1960) führte zu mehr Tierbestand und neuen Herausforderungen in der Umwelt (z.B. Gülleproblematik)
  • Die Bevölkerung schrumpfte über Jahrzehnte deutlich – Müswangen wies sogar die stärkste relative Bevölkerungsabnahme im Seetal auf.

Wasserversorgung – ein zentrales Dauerthema

Kaum ein Thema wurde in Müswangen so intensiv verhandelt wie das Wasser. Die Quellen Weienbrunnen, Nietlisbach und Hinterallmend standen über Jahrzehnte im Mittelpunkt von Sanierungen, Verträgen, Ablehnungen von Nachbargemeinden und technischen Erneuerungen.

Beispiele:

  • Sanierung der Weienbrunnen- und Nietlisbachquelle 1989–1990
  • Selbstständige Quellsuche, etwa die Entdeckung der Schlattquelle 1989
  • Wasserknappheit 1998 und anschliessender Verbundbau Hämikon–Müswangen–Hitzkirch mit Investitionen von rund 770’000 CHF

Wasser war und blieb der Lebensnerv unseres Dorfes.

 

1100 Jahre Müswangen – ein Dorf feierte sich selbst

1993 rückte Müswangen ins Rampenlicht: Anlässlich des aus der Urkunde von 893 abgeleiteten Jubeljahres feierte man das 1100-Jahr-Jubiläum mit

  • Festzelt,
  • Bankett,
  • Fotoausstellung im Lindensaal.

Passend dazu verlegt man in diesem Jahr die Dorfchronik „Müswangen – Geschichte einer Luzerner Landgemeinde“, die historische Forschung bis zur Neuzeit zusammenfasste und zu einer identitätsstiftenden Publikation wurde.

 

Fazit – Ein kleines Dorf mit grosser Geschichte

Müswangen ist ein Dorf, das über Jahrtausende hinweg gewachsen ist:

  • Besiedelt seit der Urzeit
  • Auch die Römer liessen sich hier nieder,
  • urkundlich erwähnt seit 893,
  • über Jahrhunderte wie Hund und Katze mit Hämikon verbunden,
  • geprägt von Armut, Landwirtschaft, Bränden, Kriegen, Modernisierung und Beharrlichkeit,
  • getragen von einer Dorfgemeinschaft, die oft improvisieren musste – aber immer Lösungen fand.

Und gerade dieses Zusammenspiel aus historischer Tiefe, ländlicher Beharrlichkeit und den vielen kleinen Dramen und Wendungen macht die Geschichte von Müswangen so faszinierend.