Die frühen Jahre: Skepsis und verpasste Chancen
- 1868–1910: Während die Seetalbahn geplant und eröffnet wurde, hielt man sich in Müswangen dezent zurück. Als es 1910 um die Elektrifizierung ging, verweigerte die Gemeinde schlichtweg jegliche finanzielle Beteiligung.
- 1938: Der Verschönerungsverein Muri schlug einen Postautokurs vor. Der Gemeinderat lehnte wegen der Kosten ab und verpasste damit laut Chronik eine echte Entwicklungschance für das Dorf.
1985: Der Durchbruch (mit Anhänger)
- Am 12. August 1985 wurde die Buslinie Hitzkirch–Müswangen feierlich eröffnet – mit einem Fiat-Kleinbus und einem Anhänger für die Post.
- Nicht jeder war überzeugt: Als man Bäcker Meier fragte, ob der Bus auch Brot transportieren könne, meinte dieser nur trocken: „Da muess ja es Ross lache“.
- Der „Post-Sepp“ wurde kurzerhand als Teilzeit-Chauffeur angestellt.
- Lehrer Koch aus Müswangen war derweil so erbost darüber, dass er für den Weg nach Hämikon kein Gratis-Abo bekam, dass er den Gemeinderat öffentlich auf dem Dorfplatz beschimpfte.

Das „Bus-Drama“ von 1989
- Der Unfall: Am 30. August 1989 ereignete sich im „Meierrank“, der lange danach noch als "Hanslisprung" bekannt war, ein Selbstunfall wegen Übermüdung des Chauffeurs. Es gab zwar keine Verletzten, aber der geliebte Fiat war Schrott.
- Das Provisorium: Als Ersatz kam ein Peugeot J9 zum Einsatz, der bei der Bevölkerung gnadenlos durchfiel: Er sei „menschenunwürdig“, zu klein für 29 Schüler und nicht wintersicher.
- Chaos im Cockpit: Die Beschwerdeliste der Eltern war lang: Chauffeure fuhren an wartenden Kindern vorbei, verweigerten den Zustieg oder erledigten während des Dienstes sogar ihre privaten Einkäufe. Eine Fahrerin nahm den Bus angeblich sogar mit nach Hause, sodass kein Ersatzfahrer einspringen konnte.
Moderne Zeiten: Von der Garage zum Grosskonzern
- 1990/91: Ein neuer, grösserer Renault-Bus (über 3,5 Tonnen) wurde angeschafft, und W. Füglister übernahm die Transportleitung.
- 2003: Die Poststelle Müswangen schloss ihre Tore, womit auch der Postsachentransport per Bus endete.
- Ab 2004: Die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) übernahmen die Konzession, und der Betrieb wurde professionalisiert.
- 2025: Schliesslich wurde die BSF AG komplett von den Zugerland Verkehrsbetrieben übernommen – die Ära der abenteuerlichen Teilzeit-Chauffeure gehört damit endgültig der Vergangenheit an.
Der Haltestellen-Hürdenlauf: Von unerwünschten „Berglern“ und dem ewigen Unterstand-Drama
- Soziale Ausgrenzung an der Haltestelle: Schon 1976 gab es Knatsch mit den Nachbarn - Hitzkirch verlangte, dass die Schüler nicht im Dorfzentrum, sondern beim Feuerwehr-Magazin aus- und einsteigen. Der Grund: Die „herumlungernden Bergler“ würden das ordentliche Dorfleben stören.
- Das „Unterstand-Debakel“: Als der Gemeinderat von Müswangen später vorschlug, auf eigene Initiative einen Unterstand für die Haltestelle „Hitzkirch Dorf“ zu bauen, blitzte er eiskalt ab. Hitzkirch lehnte ab, weil „fremde Initiativen unerwünscht“ seien – nur um Jahre später dann doch selbst einen Warteunterstand dort zu realisieren.
- Die Müswanger Haltestellen-Odyssee:
- Ab 1986 gab es immerhin einen gemütlichen Warteunterstand am Dorfplatz 4.
- Dieser musste 2011 wegen des Verkaufs der Gemeindeliegenschaft Dorfplatz 4 durch die Gemeindeverwaltung Hitzkirch weichen.
- Als Ersatz gab es die neue Haltestelle „Müswangen-Dorf“ vis-à-vis dem Restaurant Linde – zunächst nur mit Pfosten und Ketten gesichert.
- Nachdem die Absperrung beschädigt worden war, wurde sie 2015 durch ein stabileres Geländer ersetzt.
- Und man höre und staune: Seit 2019 gibt es dort sogar eine ungedeckte Sitzbank!
- Gefährliches Pflaster: Um 1989/90 gab es heftige Beschwerden der Schulpflege, weil Kinder an der Haltestelle Kindergarten quasi direkt „gegen die Fahrbahn“ ausgeladen wurden.
- Wenden auf Druck: Die Haltestelle „Hämikon-Berg“ wurde erst 2006/2009 mit einem richtigen Wendeplatz ausgestattet – und das auch nur auf massiven Druck der ZVB und des Kantons.


