Die Entstehung des Alterswohnheims Chrüzmatt – 1977 bis 1986
Ende der 1970er-Jahre standen die Gemeinden im Hitzkirchertal vor einer grossen Aufgabe: Die bisherige Armenanstalt Klotensberg genügte den modernen Anforderungen nicht mehr, und der Bedarf nach einem zeitgemässen Alters- und Pflegeheim stieg stetig. Aus ersten Gesprächen entwickelte sich ein Projekt, das die Region über Jahre hinweg politisch, organisatorisch und emotional beschäftigte – und dessen Umsetzung schliesslich zur Entstehung der Chrüzmatt führte.
Der Anfang: Von der Armenanstalt zum Neubau
Zwischen 1977 und 1981 arbeitete die Verwaltungskommission der fünf Klotensberg-Gemeinden an der Zukunft des Altershilfewesens. Man verhandelte Landkäufe, studierte erste Entwürfe des Architekten Ammann und suchte nach einer gemeinsamen Lösung.
1979 wurde das erste Grundstück für ein neues Alterswohnheim erworben – ein stiller, aber historischer Schritt. Wenig später folgte der zweite Grundstückkauf für das spätere Pflegeheim und die Alterswohnungen.
1981–1982: Die Idee wird konkret
Mit dem Auftrag an die Architekten Ammann & Marbach begann der eigentliche Planungsprozess. Es wurden Raumprogramme erstellt, Energiekonzepte ausgearbeitet und geologische Untersuchungen durchgeführt. Die Kostenschätzung von 8.62 Mio. Franken diente als Grundlage für politische Beschlüsse – ein für die damalige Zeit gewagtes Unterfangen.
Im Sommer 1982 kam der entscheidende Moment: Die Gemeinden stimmten dem Projekt zu, trotz hohen Kosten und der Unsicherheit einer noch nicht finalisierten Planung.
Gründung des Gemeindeverbandes – ein politisches Experiment
Am 14. September 1982 wurde der Gemeindeverband Alterswohnheim Hitzkirchertal mit 13 Gemeinden gegründet. Ein grosses politisches Konstrukt entstand – mit Vorstand, Delegiertenversammlung und einer ungewöhnlich grossen Baukommission
- kleine Baukommission: 4 Mitglieder
- grosse Baukommission: 26 Mitglieder
- zahlreiche Subkommissionen für Energie, Innenausbau, Hauswirtschaft, Pflegeabteilung usw.
Dieses komplexe Gebilde bedeutete Chancen – aber auch Konflikte.
1983–1984: Vom Plan zum Bau
1983 wurde das Baugesuch eingereicht und bewilligt, Subventionen wurden zugesagt und im September fiel der Startschuss: Baubeginn am 10. September 1983.
Die Baukommission und ihre Subgruppen begleiteten jedes Detail – vom Heizsystem über Knebelgriffe an Wasserhähnen bis zur regen Diskussion über den Bodenbelag. Besichtigungen in anderen Heimen lieferten Inspiration, doch es gab gleichzeitig politische Spannungen und kritische Stimmen aus Gemeinden und Gewerbe.
Die Bauarbeiten gingen voran, doch es traten Mehrkosten auf – durch geologische Überraschungen, Änderungen bei Fluchtwegen oder Diskussionen um Materialwahl.
1985: Einzug in die Chrüzmatt
Im März 1985 war es so weit: Die ersten Bewohner zogen ein. Zwei Monate später, am 5. Mai 1985, wurde die Chrüzmatt offiziell eingeweiht.
Sie bot:
- 50 Altersheimzimmer
- 13 Leichtpflegeplätze
- moderne Küchen, Wäscherei, Ambulatorium und neue Infrastruktur für die Region
Der Bau blieb trotz Herausforderungen erstaunlich nahe an den ursprünglichen Kostenschätzungen – eine Leistung, auf die die Baukommission später zurecht stolz war.
Nachklang und persönliche Perspektive
In den Erinnerungen von Rolf Rapold, Mitglied der kleinen und grossen Baukommission, erscheint die Bauzeit als intensive Phase:
- Sitzungen in hoher Frequenz
- politische Spannungen zwischen alten Klotensberg-Gemeinden und neu dazustossenden Gemeinden
- Auseinandersetzungen über Projektänderungen und Kosten
- grosser persönlicher Einsatz vieler Beteiligter
Einige der damaligen Pionierleistungen wurden später kaum erwähnt oder gingen im Lauf der Zeit verloren. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass die Region gemeinsam ein Projekt realisierte, das bis heute prägend ist.
Ein Bau, der mehr war als ein Gebäude
Die Geschichte des Alterswohnheims Chrüzmatt ist nicht nur eine Baugeschichte.
Sie ist eine Geschichte von:
- regionaler Zusammenarbeit
- politischen Hürden und Kompromissen
- engagierten Bürgerinnen und Bürgern
- und dem Wandel vom Armenhaus zur modernen Altersversorgung
Als die Chrüzmatt 1985 ihre Türen öffnete, war sie nicht nur ein neues Zuhause für ältere Menschen – sie war das sichtbare Ergebnis jahrelanger Verhandlungen, Visionen, Konflikte und gemeinsamer Anstrengungen.
Historische Geschichte: Vom Armenhaus Klotensberg zum Alters und Pflegeheim Chrüzmatt


